Strahlender Sonnenschein beim Start, dunkle Wolken am Gipfel: Das Wetter kann sich im Gebirge innerhalb kurzer Zeit deutlich verändern. Gewitter, Starkregen, Sturm, Nebel und ein rascher Temperaturabfall machen aus einer gemütlichen Wanderung schnell eine ernste Situation. Die wichtigste Schutzmaßnahme beginnt deshalb bereits vor der Tour.
Vor jeder Bergtour sollte ein aktueller, regionaler Bergwetterbericht eingeholt werden. Entscheidend ist nicht nur, ob Regen angekündigt ist, sondern auch, wann Gewitter entstehen können, wie stark der Wind wird und wo die Schneefallgrenze liegt. Zusätzlich empfiehlt es sich, während der Tour regelmäßig den Himmel und die Wetterentwicklung zu beobachten.
Eine sichere Tourenplanung berücksichtigt:
Regen- und Windschutz, warme Kleidung, Erste-Hilfe-Set, Biwaksack, Stirnlampe, Orientierungsmittel sowie ein vollständig geladenes Mobiltelefon gehören auch bei schönem Ausgangswetter in den Rucksack. Nässe, Wind und sinkende Temperaturen können selbst im Sommer rasch zu einer Unterkühlung führen.
Dunkle, rasch wachsende Wolken, auffrischender oder plötzlich drehender Wind, fernes Donnergrollen, ein deutlicher Temperaturabfall und aufziehender Nebel sind klare Signale. Jetzt gilt: Tourenziel anpassen, umkehren oder rechtzeitig einen sicheren Ort aufsuchen.
„Der Gipfel ist immer nur eine Option. Wer rechtzeitig umkehrt, beweist Verantwortungsbewusstsein und alpine Kompetenz“, betont Benjamin Hell, Landesgeschäftsführer der Naturfreunde Kärnten. „Gefährlich wird es häufig dann, wenn Warnzeichen ignoriert werden und man trotz der veränderten Bedingungen unbedingt weitergehen möchte.“
Wer von Starkregen, Sturm, Nebel oder Gewitter überrascht wird, sollte Ruhe bewahren und die Situation gemeinsam beurteilen. Die Gruppe bleibt zusammen und das Tempo richtet sich nach der schwächsten Person.
Bei schlechter Sicht sollte man nicht unüberlegt weitergehen. Orientierung prüfen, Standort bestimmen und gefährliche Bereiche wie Absturzkanten, steile Rinnen, Bachläufe und rutschige Querungen meiden. Bei Starkregen können Bäche rasch anschwellen; in Rinnen und Felswänden steigt außerdem die Gefahr von Sturzfluten und Steinschlag.
Nasse Kleidung sollte möglichst rasch durch trockene oder zusätzliche wärmende Schichten ergänzt werden. Regenbekleidung und Biwaksack schützen vor Wind und Auskühlung. Erste Anzeichen einer Unterkühlung können starkes Zittern, Ungeschicklichkeit, ungewöhnliche Müdigkeit, Verwirrtheit oder Teilnahmslosigkeit sein.
Wenn Blitz und Donner näher kommen:
Auf einem Klettersteig ist das Stahlseil zwar kein sicherer Aufenthaltsort bei Gewitter. Im absturzgefährdeten Gelände darf die Sicherung dennoch nicht unüberlegt gelöst werden: Das unmittelbare Absturzrisiko kann größer sein als die Blitzgefahr.
Ein Notruf ist notwendig, wenn Personen verletzt, unterkühlt, erschöpft oder nicht mehr handlungsfähig sind, die Orientierung verloren geht oder ein sicherer Abstieg nicht mehr möglich ist. In Österreich ist die Bergrettung unter 140, der europäische Notruf unter 112 erreichbar.
Beim Notruf möglichst genau angeben:
Wer rechtzeitig umkehrt, macht keine verlorene Tour. Gute Vorbereitung, laufende Beobachtung und vernünftige Entscheidungen sind die wichtigsten Voraussetzungen dafür, nach jedem Bergerlebnis wieder sicher ins Tal zurückzukehren.