kaernten.naturfreunde.at

Wetterumschwung am Berg: Gut vorbereitet und richtig reagieren

Strahlender Sonnenschein beim Start, dunkle Wolken am Gipfel: Das Wetter kann sich im Gebirge innerhalb kurzer Zeit deutlich verändern. Gewitter, Starkregen, Sturm, Nebel und ein rascher Temperaturabfall machen aus einer gemütlichen Wanderung schnell eine ernste Situation. Die wichtigste Schutzmaßnahme beginnt deshalb bereits vor der Tour.

 

Gute Planung ist die beste Prävention

Vor jeder Bergtour sollte ein aktueller, regionaler Bergwetterbericht eingeholt werden. Entscheidend ist nicht nur, ob Regen angekündigt ist, sondern auch, wann Gewitter entstehen können, wie stark der Wind wird und wo die Schneefallgrenze liegt. Zusätzlich empfiehlt es sich, während der Tour regelmäßig den Himmel und die Wetterentwicklung zu beobachten.

Eine sichere Tourenplanung berücksichtigt:

  • einen frühen Aufbruch, besonders an gewitteranfälligen Tagen
  • ausreichend Zeitreserven für Pausen und den Abstieg
  • Kondition und Erfahrung aller Teilnehmenden
  • mögliche Abkürzungen, Umkehrpunkte und Schutzhütten
  • eine Alternativtour für unsichere Wetterlagen
  • die Information einer Kontaktperson über Route und geplante Rückkehr

Regen- und Windschutz, warme Kleidung, Erste-Hilfe-Set, Biwaksack, Stirnlampe, Orientierungsmittel sowie ein vollständig geladenes Mobiltelefon gehören auch bei schönem Ausgangswetter in den Rucksack. Nässe, Wind und sinkende Temperaturen können selbst im Sommer rasch zu einer Unterkühlung führen.

Warnzeichen ernst nehmen

Dunkle, rasch wachsende Wolken, auffrischender oder plötzlich drehender Wind, fernes Donnergrollen, ein deutlicher Temperaturabfall und aufziehender Nebel sind klare Signale. Jetzt gilt: Tourenziel anpassen, umkehren oder rechtzeitig einen sicheren Ort aufsuchen.

„Der Gipfel ist immer nur eine Option. Wer rechtzeitig umkehrt, beweist Verantwortungsbewusstsein und alpine Kompetenz“, betont Benjamin Hell, Landesgeschäftsführer der Naturfreunde Kärnten. „Gefährlich wird es häufig dann, wenn Warnzeichen ignoriert werden und man trotz der veränderten Bedingungen unbedingt weitergehen möchte.“

Was tun, wenn der Wetterumschwung bereits da ist?

Wer von Starkregen, Sturm, Nebel oder Gewitter überrascht wird, sollte Ruhe bewahren und die Situation gemeinsam beurteilen. Die Gruppe bleibt zusammen und das Tempo richtet sich nach der schwächsten Person.

Bei schlechter Sicht sollte man nicht unüberlegt weitergehen. Orientierung prüfen, Standort bestimmen und gefährliche Bereiche wie Absturzkanten, steile Rinnen, Bachläufe und rutschige Querungen meiden. Bei Starkregen können Bäche rasch anschwellen; in Rinnen und Felswänden steigt außerdem die Gefahr von Sturzfluten und Steinschlag.

Nasse Kleidung sollte möglichst rasch durch trockene oder zusätzliche wärmende Schichten ergänzt werden. Regenbekleidung und Biwaksack schützen vor Wind und Auskühlung. Erste Anzeichen einer Unterkühlung können starkes Zittern, Ungeschicklichkeit, ungewöhnliche Müdigkeit, Verwirrtheit oder Teilnahmslosigkeit sein.

Richtiges Verhalten bei Gewitter

Wenn Blitz und Donner näher kommen:

  • Gipfel, Grate, Kuppen, Gipfelkreuze und andere exponierte Stellen rasch verlassen
  • Abstand zu einzelnen Bäumen, Masten, Drahtseilen und Wasserläufen halten
  • keine kleinen Felsnischen oder Höhleneingänge als vermeintlich sicheren Schutz wählen
  • in einer ausreichend großen Felshöhle Abstand zur Wand halten
  • mit geschlossenen Beinen in Kauerstellung auf Rucksack oder Seil warten
  • innerhalb der Gruppe Abstand zueinander halten
  • auf Klettersteigen und in absturzgefährdetem Gelände gesichert bleiben

Auf einem Klettersteig ist das Stahlseil zwar kein sicherer Aufenthaltsort bei Gewitter. Im absturzgefährdeten Gelände darf die Sicherung dennoch nicht unüberlegt gelöst werden: Das unmittelbare Absturzrisiko kann größer sein als die Blitzgefahr.

Wann soll ein Notruf abgesetzt werden?

Ein Notruf ist notwendig, wenn Personen verletzt, unterkühlt, erschöpft oder nicht mehr handlungsfähig sind, die Orientierung verloren geht oder ein sicherer Abstieg nicht mehr möglich ist. In Österreich ist die Bergrettung unter 140, der europäische Notruf unter 112 erreichbar.

Beim Notruf möglichst genau angeben:

  • Wo befindet sich die Gruppe?
  • Was ist passiert?
  • Wie viele Personen sind betroffen?
  • Gibt es Verletzte oder Anzeichen einer Unterkühlung?
  • Wie sind Wetter und Sicht vor Ort?

Wer rechtzeitig umkehrt, macht keine verlorene Tour. Gute Vorbereitung, laufende Beobachtung und vernünftige Entscheidungen sind die wichtigsten Voraussetzungen dafür, nach jedem Bergerlebnis wieder sicher ins Tal zurückzukehren.

Weitere Informationen
ANZEIGE
Angebotssuche