Es ist klar, eiskalt und wirkt besonders erfrischend: Gebirgswasser lädt bei einer Wanderung geradezu dazu ein, die Trinkflasche aufzufüllen. Doch kann Wasser aus Quellen und Bächen tatsächlich bedenkenlos getrunken werden? Limnologe Leopold Füreder von den Naturfreunden Österreich erklärt, worauf es ankommt.
Wasser aus höher gelegenen Gebirgsbächen und Quellen weist meist eine sehr gute Qualität auf. Trotzdem lohnt sich ein genauer Blick auf das Umfeld. Entscheidend ist, woher das Wasser kommt und was sich oberhalb der Entnahmestelle befindet.
Besondere Vorsicht ist bei Weideflächen geboten. Haben Kühe oder andere Weidetiere direkten Zugang zum Gewässer, können Keime aus dem Kot ins Wasser gelangen. Auch Wildtiere können Verunreinigungen verursachen, aufgrund ihrer geringeren Bestandsdichte ist dieses Risiko jedoch deutlich kleiner.
Selbst eine glasklare Quelle kann belastet sein. Neben Keimen können auch natürlich vorkommende Spurenelemente oder Stoffe aus dem Gestein ins Wasser übergehen. Umgekehrt muss eine Trübung nicht immer auf schlechte Wasserqualität hinweisen: Gletscherbäche erscheinen im Sommer aufgrund feinster Gesteinspartikel häufig milchig.
Grundsätzlich ist fließendes Wasser stehendem Wasser vorzuziehen. Bäche werden laufend erneuert und verfügen über eine natürliche Selbstreinigungskraft. Durch die Bewegung gelangt Sauerstoff ins Wasser, während organisches Material abtransportiert und Sediment umgelagert wird.
Am besten wird das Wasser möglichst nahe an einer größeren Quelle entnommen. Trotzdem sollte immer das gesamte Umfeld betrachtet werden: Befinden sich Weidetiere, Hütten, Wege oder andere mögliche Verunreinigungsquellen oberhalb der Entnahmestelle?
Nicht getrunken werden sollte Wasser, wenn es:
Trockenheit, Hitze und Starkregen verändern auch unsere Gebirgsgewässer. Bei längeren Trockenperioden können sich Schadstoffe stärker konzentrieren. Starkregen wiederum schwemmt Sedimente, Feinschlamm und andere Stoffe aus dem Einzugsgebiet in Quellen und Bäche.
Höhere Wassertemperaturen und stärkere Sonneneinstrahlung fördern außerdem das Wachstum von Algen, Mikroorganismen und Biofilmen. Besonders kritisch ist das Zusammenspiel dieser Veränderungen mit menschlicher Nutzung und Weidehaltung.
Alpine Quellen und Bäche sind nicht nur mögliche Wasserspender, sondern wertvolle und empfindliche Lebensräume. Selbst kleinste Gewässer beherbergen zahlreiche Insektenlarven und andere wirbellose Tiere.
Wandernde sollten deshalb nicht in Quellen steigen, dort Gegenstände reinigen oder Verunreinigungen hinterlassen. Besonders kleine Quellaustritte können durch Herumwaten und häufiges Betreten über Jahre beeinträchtigt werden.
Wer am Berg zu wenig Trinkwasser mitführt, sollte folgende Reihenfolge beachten:
Die sicherste Lösung bleibt eine gute Tourenplanung mit ausreichend Trinkwasser. Auch Schutzhütten spielen dabei eine wichtige Rolle: Sie stellen sauberes, behördlich kontrolliertes Trinkwasser bereit – ermöglicht durch den Einsatz der Hüttenpächter, alpinen Vereine und vieler ehrenamtlicher Helfer.
ÜBER DEN EXPERTEN:
Mag. Dr. ao. Univ.-Prof. Leopold Füreder ist Limnologe an der Universität Innsbruck und Vorsitzender der Naturfreunde Tirol. Er forscht zur Ökologie alpiner Fließgewässer sowie zu den Auswirkungen des Klimawandels und menschlicher Eingriffe auf Gewässerökosysteme.